Abstract
Zusammenfassung Das Konzept ‚Planetare Gesundheit‘ betont, dass die Gesundheit des Menschen von intakten und resilienten Ökosystemen abhängig ist. Naturschutz wird daher zu einer wesentlichen Determinante von Gesundheit. Gleichzeitig weisen aktuelle Studien aus den Erdsystemwissenschaften auf den dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt und die damit verbundene Gefahr irreversibler Folgen hin. Globale Urbanisierungsprozesse sind einerseits mitverantwortlich für diese Entwicklung, bergen andererseits aber auch vielfältige Potenziale für sozialökologische Transformationsprozesse. So tragen Städte auf lokaler Ebene zwar zur Habitatfragmentierung bei, bieten aufgrund kleinräumiger Strukturen aber gleichermaßen Chancen für die Etablierung von verschiedenen Ökosystemen. Schutz und Förderung von Biodiversität sind damit eine Frage des Managements für Stadtverwaltungen. In diesem Beitrag wird am Beispiel kreisfreier bayerischer Städte über 50.000 Einwohner*innen der Frage nachgegangen, wie Biodiversität strategisch gefördert wird und welche Anknüpfungspunkte im Sinne Planetarer Gesundheit vorhanden sind. Die Analyse anhand von öffentlich zugänglichen Dokumenten, Workshops und Hintergrundgesprächen zeigt, dass häufig mehr oder weniger explizit auf die Verbindung von Naturschutz und Gesundheitsschutz Bezug genommen wird, um für Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt zu argumentieren. Daneben werden auch funktionale, ästhetische, ethisch-moralische und ökonomische Argumente vorgebracht. Gleichzeitig ist Biodiversitätsschutz vorwiegend traditionell im Naturschutz institutionalisiert und damit in der Verwaltungsstruktur weitgehend isoliert, was die Notwendigkeit von integriertem Verwaltungshandeln betont. Daraus ergeben sich sowohl neue Perspektiven im Forschungsfeld Nachhaltiger StadtGesundheit, das sich an der Schnittstelle von Umwelt, Gesundheit und Planung befindet, als auch Handlungsempfehlungen für die Stadtplanungspraxis.