Abstract
Zusammenfassung Der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen wird durch sechs Dimensionen von Barrieren und Anreizen geprägt und stellt für das Gesundheitswesen eine zentrale Kenngröße dar. In diversen Stadtquartieren besteht eine Mischung soziokulturell beeinflusster Zugangsbarrieren und -anreize. Aufbauend auf einem Überblick über die Forschungsfelder migrantischer Gesundheit und Zugangsforschung werden Einflussfaktoren erläutert, die den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen von Migrant*innen und Personen mit Migrationshintergrund (kurz: Migrant*innen) beeinflussen. Untersuchungsgebiete sind die diversen Stadtquartiere Bonn-Tannenbusch und Köln-Mülheim. Die Ergebnisse beruhen auf einem qualitativen Forschungsdesign: 18 Migrant*innen und sechs Expert*innen aus beiden Stadtquartieren wurden in teilstandardisierten Interviews befragt. Sie berichten von Zugangsbarrieren, wie z. B. der Wirkung von Scham und Ängsten vor Stigmatisierung. Barrieren ergeben sich auch durch kulturell geprägte Gesundheitsverständnisse von Migrant*innen, die den Gesundheitsdienstleister*innen teilweise nicht bekannt sind oder nicht (mit)geteilt werden. Umgekehrt kann ein gemeinsames Gesundheitsverständnis als wichtiger Zugangsanreiz dienen. Gleiches gilt für spezifische traditionelle oder alternativmedizinische Behandlungsmethoden. Die explorative Studie verdeutlicht die Notwendigkeit, Zugang mehrdimensional zu betrachten. Der etablierte Bereich der Erreichbarkeitsforschung leistet wichtige Beiträge zur Zugangsforschung, vor allem mit Modellierung und Szenarien von Erreichbarkeit – die aber nicht mit Zugang gleichzusetzen sind. Die Geographische Gesundheitsforschung kann mit ihrem Ansatz daher zu einer konzeptionell differenzierten Analyse von Zugang beitragen.