Abstract
Zusammenfassung Die Alterung der Stadtgesellschaft stellt die kommunale Stadt- und Quartiersentwicklung vor neue Herausforderungen. Während soziale Infrastruktur für Kinder, Jugendliche und Familien seit Langem über die Sozialraumorientierung Teil integrierter Stadtentwicklung ist, bleibt die systematische Berücksichtigung seniorenbezogener Infrastruktur bislang fragmentiert. Der Beitrag untersucht, wie seniorenbezogene soziale Infrastruktur in Großstädten konzeptionell, räumlich und governancebezogen gefasst werden kann. Ausgangspunkt ist ein sozialräumliches Verständnis von Infrastruktur im Sinne von Stadtbausteinen (Krüger 2025), welches über sektoral organisierte Daseinsvorsorge hinausgeht und Teilhabe, Begegnung und Sorgearbeit als zentrale Dimensionen urbaner Infrastrukturschaffung begreift. Auf Basis von Fokusgruppeninterviews aus großen deutschen Neubauquartieren sowie einer Einordnung in aktuelle stadt- und sozialpolitische Diskurse werden seniorenrelevante Themen sowohl aus dem Feld der sektoralen Infrastruktur (Pflege, Gesundheit) als auch aus aktuellen Diskursen (Einsamkeit, postpandemische Herausforderungen, Umweltgerechtigkeit) abgeleitet. Besonderes Augenmerk liegt auf Dritten Orten und hybriden Nutzungskonzepten. Der Beitrag zeigt, dass eine stärkere sozialraumorientierte und sorgesensible Planung erforderlich ist, um Mobilität, Nahversorgung, Einsamkeitsprävention sowie Pflege und Gesundheit im Quartier integrierter zu adressieren.