Abstract
Zusammenfassung Einleitung Um im Leistungssport erfolgreich zu sein, spielen neben individuellen auch verschiedene umweltbedingte Faktoren eine zentrale Rolle. Dazu zählen auch organisationale Stressoren wie lange Reisezeiten, Konflikte im Team oder mit Trainer*innen sowie Schwierigkeiten mit dem benötigten Sportmaterial. Diese wurden bisher vor allem in qualitativen Studien untersucht. Obwohl international validierte Instrumente zur quantitativen Erfassung existieren, fehlt bislang eine entsprechende deutsche Version. Methode In dieser Studie wurde daher der Organizational Stressor Indicator for Sport Performers ins Deutsche übersetzt, adaptiert und im Online-Fragebogenformat an deutsche Bundeskader-Athlet*innen olympischer Sportarten verteilt. Insgesamt nahmen N = 347 Athlet*innen aus 64 Sportarten teil. Zur Evaluation der psychometrischen Eigenschaften wurden konfirmatorische und explorative Faktoranalysen durchgeführt. Zusätzlich wurde der Zusammenhang zu psychischen Belastungsfolgen, erfasst mit einem sportkontextuell angepassten Modul des Munich Employee Health Questionnaire , explorativ untersucht. Ergebnisse Die ursprüngliche 5‑Faktoren-Struktur des Originalfragebogens zeigte keinen zufriedenstellenden Modellfit. Explorative Analysen ergaben eine inhaltlich plausible 6‑faktorielle Struktur mit einem zusätzlichen Faktor („Long-term Logistics“), die einen verbesserten Modellfit (Comparative Fit Index (CFI) ≥ 0,91; Root Mean Square Error of Approximation (RMSEA) = 0,05, Standardized Root Mean Square Residual (SRMR) = 0,06) aufwies. In explorativen Analysen korrelierten die organisationalen Stressoren signifikant mit dem Modul der Belastungsfolgen ( r ≥ 0,50; p < 0,001). Diskussion Die adaptierte deutsche Version des Organizational Stressor Indicator for Sport Performers weist strukturelle Abweichungen zur Originalversion auf, die jedoch inhaltlich nachvollziehbar auf spezifische Adaptionen des Fragebogens zurückgeführt werden können. Die Ergebnisse der explorativen Analysen betonen die Bedeutung organisationaler Stressoren für die psychische Gesundheit von Athlet*innen. Zukünftige Forschung könnte dazu beitragen, diese Stressoren nicht nur besser zu identifizieren, sondern auch gezielt zu adressieren, um langfristig die Rahmenbedingungen im Leistungssport zu optimieren.